Exklusiver Blick ins Cockpit: 5 Fragen an den Rennstall Esslingen

Exklusiver Blick ins Cockpit: 5 Fragen an Rennstall Esslingen

Es ist wieder soweit: In Kürze startet das von Handtmann Elteka gesponserte Formula Student Team in die neue Saison. Präsentiert wurde der neue „Stallardo `16“ kürzlich im Rahmen einer fulminanten Show in der Göppinger Werfthalle. Mit an Bord: Unser Gusspolyamid Lauramid®, das als Pedalerie-Komponente erneut das Team auf seinem Weg nach ganz vorn unterstützt. Zum Erfolg braucht es in der Formula Student vor allem zwei Dinge: einen zuverlässigen Wagen und ein Team, das von der ersten bis zur letzten Minute der Saison bereit ist, alles zu geben, wie die beiden Studenten, der Rennstall-Teamleiter Oliver Peters und Fahrer Christoph Lösle bei diesem Projekt gelernt haben.

Herr Peters, die Konstruktion des Rennwagens ist eine zeit- und kostenintensive Sache, an der das ganze Team mit Herzblut und jeder Menge Schweiß teilweise rund um die Uhr arbeitet. Wenn der Wagen endlich bereit ist, auf die Strecke zu gehen und man ihn dem Fahrer „übergibt“, will man ihn daher sicher in den besten Händen wissen. Wie wählen Sie beim Rennstall Esslingen aus, wer diese verantwortungsvolle Aufgabe übernimmt?

Oliver Peters: Wir hatten dieses Jahr großes Glück. Einer unserer Fahrer, Christoph Lösle, hat bereits in der letzten Saison den Stallardo erfolgreich über die Rennstrecken gesteuert. Als klar war, dass Christoph auch 2016 wieder mit an Bord unseres Teams ist, waren wir uns schnell einig, dass er wieder hinterm Steuer sitzen soll. Er hat nicht nur Erfahrung in unserem Boliden, sondern ist bereits seit seiner frühen Jugend auf Kartbahnen quer durch Deutschland unterwegs. Diese Expertise ist Gold wert, denn für das Absolvieren der Rennen in der Formula Student ist großes fahrerisches Können nötig.
Da für einige Disziplinen, z. B. den Endurance Wettbewerb mehrere Fahrer gebraucht werden, haben wir darüber hinaus über eine Ausschreibung unser Team auf die benötigten vier Fahrer aufgestockt.

Herr Lösle, Sie sind also auf dem Kart schon ein alter Hase. Was hat Sie gereizt, sich als Fahrer für die Formula Student zu bewerben?

Christoph Lösle: Als ich vor ca. zwei Jahren das erste Mal von dem Projekt „Rennstall“ an der Hochschule gehört hatte, war ich sofort Feuer und Flamme. Da wollte ich unbedingt mitmachen, allerdings nicht „nur“ als Fahrer. Das besondere für mich war die Aussicht, einen Rennwagen zu fahren, an dem ich maßgeblich selbst mitgearbeitet habe. Deshalb bin ich im letzten Jahr in das Fahrwerk-Team eingestiegen. Dass ich diese Saison erneut im Cockpit des Stallardo sitzen darf, ist für mich eine tolle Auszeichnung meiner letztjährigen Leistung und ich freue mich schon sehr, wenn es endlich wieder auf die Rennstrecken geht und ich zeigen kann, was das Team für ein tolles Auto gebaut hat.

Für den „Einsatz“ im Cockpit ist doch sicherlich auch eine gewisse körperliche Fitness erforderlich. Haben Sie ein spezielles Trainingsprogramm, das Sie vor Saisonstart absolvieren?

Christoph Lösle (grinst): Ehrlich gesagt, nein. Ich gehe ohnehin das ganze Jahr über Laufen. Darüber hinaus ist es das beste Training, so oft wie möglich, mit dem Wagen zu fahren. Das tue ich, wann immer es die Zeit zulässt. Irgendwann kennt man jede Besonderheit des Rennwagens, zum Beispiel wie sich die Lenkung verhält oder wie die Bremsen reagieren. Von dem Moment an, kommt es darauf an, diese Feinheiten optimal für sich zu nutzen.

Am 09. August fällt in Hockenheim endlich der Startschuss für die Saison 2016. Wie sieht so ein typisches Rennwochenende aus? Kann man sich das in etwa wie bei der Formel 1 vorstellen?

Oliver Peters: Nein, da gibt es viele Unterschiede. Zunächst einmal ist die Formula Student ja kein reiner Rennwettbewerb, sondern ein Konstruktionswettbewerb. Das Rennen an sich ist nur das Herzstück des Rennwochenendes. Darüber hinaus finden aber Bewertungen in vielen unterschiedlichen Kategorien statt. So wird z. B. auch der Businessplan des Teams, die Ausdauer oder auch die Ökonomie der Wagen beurteilt. Für jede Kategorie vergibt die Jury Punkte und letztlich gewinnt das beste Gesamtpaket. Das heißt an einem Rennwochenende ist das ganze Team ständig in den unterschiedlichsten Aufgaben eingebunden.

Christoph Lösle: Auch für uns Fahrer gestalten sich die Rennen völlig anders als in der Formel 1. Während die Fahrer dort die Möglichkeit haben, die Strecke an den Tagen vor dem eigentlichen Rennen intensiv mit ihrem Wagen zu testen, dürfen wir bei der Formula Student lediglich einen Rundgang über die Rennstrecke machen, bei der wir uns die Besonderheiten und Tücken ganz genau einprägen müssen. Erst im eigentlichen Rennen gehen wir mit dem Wagen das erste Mal auf die Strecke. Das ist wirklich jedes Mal eine spannende Herausforderung, bei der mir meine lange Erfahrung auf dem Kart und auch die Vertrautheit mit dem Stallardo sehr gute Dienste leisten.

Das klingt wirklich abenteuerlich. Kommt es da nicht häufig zu Unfällen?

Oliver Peters: Nein. Die Wagen gehen ja nacheinander auf die Strecke und fahren auf Zeit. Auch ein großer Unterschied zur Formel 1. Lediglich kleinere Schäden am Rennauto kommen bisweilen vor, wenn man eines der Hütchen, mit denen die Strecke markiert ist, streift. Das ist dann ziemlich ärgerlich, da es viel Zeit und im Extremfall sogar das Aus bedeutet. Dann heißt es, alle Ärmel hochkrempeln und den Wagen so schnell wie möglich wieder flott machen. Drücken wir die Daumen, dass uns das diese Saison nicht passiert.

Herr Peters, Herr Lösle, im Namen des gesamten Handtmann Elteka Teams wünschen wir Ihnen eine erfolgreiche, unfallfreie Saison und bedanken und herzlich für das Gespräch.