Geschäftsführer Handtmann Metallgusswerk

„Unsere Produkte faszinieren mich nach wie vor“

Dr. Michael Hagemann, Geschäftsführer der Albert Handtmann Metallgusswerks GmbH & Co. KG

„Dass ein Geschäftsführer über seinen Berufsweg berichtet, ist vielleicht nicht üblich. Aber ich möchte damit alle ermutigen, sich zu engagieren und sich selbst Chancen zu erarbeiten. Begonnen hat meine Laufbahn nämlich mit einer Lehre zum Maschinenschlosser. Auf dem zweiten Bildungsweg habe ich meine Hochschulreife erlangt und 1994 ein Maschinenbaustudium abgeschlossen.

Im Studium habe ich schon Automobilerfahrung gesammelt, als ich zwei Jahre bei der Audi AG als Werkstudent und freier Mitarbeiter beschäftigt war. Mein ehemaliger Professor an der Hochschule Paderborn war es, der mich auf Handtmann aufmerksam machte. Schon damals beschäftigte sich das Unternehmen mit der Lost-Foam-Technik, einem speziellen Aluminiumgussverfahren. Ich musste zwar erst nachschauen, wo Biberach genau liegt. Aber der Eindruck, den ich während des Bewerbungsprozesses „beim Handtmann“ gewonnen habe, hat mich überzeugt. Und so fing ich 1994 als Projektingenieur für Lost Foam im Handtmann Metallgusswerk an.

Nach vier Jahren wünschte ich mir eine Veränderung und erkundigte mich nach Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Das Angebot, in den Vertrieb zu gehen, kam mir sehr entgegen. Um ein fundiertes Wissen über die Gusstechniken zu bekommen, wurde ich mehrere Wochen durch alle Abteilungen geschleust. Von meinen dortigen Mentoren habe ich sehr viel gelernt, was mir auch heute noch nützt. 2001 wurde ich zum Vertriebsleiter ernannt und schließlich 2011 Geschäftsführer.

Der Vertriebsbereich hat für mich insofern gepasst, weil ich die Produkte unserer Automobil-Kunden gut kannte. Mein Studium habe ich mir selbst finanziert, indem ich in einer LKW-Werkstatt gearbeitet habe. Es hat mir sehr geholfen, von der Praxis in die Theorie zu kommen. Gleichzeitig habe ich durch diese Erfahrung großen Respekt vor den Menschen bei Handtmann, die sich jeden Tag an die Maschinen stellen und Tausende Gussteile produzieren. Schwere Arbeit gerne und gut zu machen, ist nicht selbstverständlich, sondern eine besondere Leistung.

Parallel zu meiner Zeit im Vertrieb habe ich eine Industriepromotion gemacht. Viele Freunde von mir promovierten an der Hochschule. Das hat mein Interesse daran geweckt, mich intensiv mit einem wissenschaftlichen Thema zu beschäftigen. Etwas selbst zu erforschen, übte einen großen Reiz auf mich aus. Die Zeit dafür musste ich über drei Jahre an den Abenden und am Wochenende aufbringen. Handtmann unterstütze mich, indem ich die dortigen Einrichtungen und das Labor nutzen konnte. Als Arthur Handtmann und mein damaliger Geschäftsführer bis nach Paderborn gefahren sind, um sich 2001 meinen Promotionsvortrag anzuhören, hat mich das sehr gefreut.

Heute ist es die Vielseitigkeit, die mich an meinem Beruf begeistert. Wir müssen jeden Tag viele Themen lösen – im Bereich Kunde, im Bereich Produktion, in unseren Werken in Deutschland, der Slowakei und in China. Da gibt es wenig Routine, sondern jeder Tag bringt etwas Neues. Eine große Herausforderung ist das 2014 eröffnete Werk in Tianjin. Hier arbeiten wir gemeinsam daran, die Strukturen zu optimieren und die Auslastung weiter zu erhöhen. Erfreulich ist, dass dahinter große Aufträge stehen, die uns bis 2024 garantierte Umsätze bringen. Durch unser Engagement in China haben wir auch große Aufträge für Biberach und Annaberg erhalten. Überhaupt ist die Entwicklung von Handtmann in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckend.

Wir sind heute bei den Gießern das größte Unternehmen in Deutschland, vielleicht sogar Europas und bis in die Vorstände der Automobilunternehmen hinein bekannt.

Ein weiterer Vorteil bei Handtmann sind die kurzen Entscheidungswege. Zum Beispiel wurde 2013 entschieden, das Werk in China zu bauen. 2015 haben wir die Eröffnung gefeiert. Das gibt uns eine hohe Flexibilität im Vergleich mit großen Konzernen. Diese Geschwindigkeit hilft uns enorm, um bei den Kunden nach vorne zu kommen.

Mein Resümee aus meiner langen Zeit bei Handtmann ist, dass man hier sehr viel gestalten kann, wenn man will. Die Familie Handtmann gibt uns einen großen Vertrauensvorschuss, den es nach meiner Beobachtung in anderen Unternehmen nicht gibt. Dieses Vertrauen gegenüber Mitarbeitern und Führungskräften ist ein Erfolgsrezept von Handtmann. Hinzu kommt, dass hier allen Menschen Wertschätzung entgegengebracht wird. Diese Kombination aus sozialen Faktoren, technologischer Kompetenz und wirtschaftlichem Erfolg macht Handtmann attraktiv für Bewerberinnen und Bewerber aus aller Welt.

Allen, die Karriere machen wollen, empfehle ich, in einem mittelständischen, familiengeführten Betrieb zu beginnen. Dort sollte man sich darauf konzentrieren, einen guten Job zu machen. Dann tun sich von selbst neue Chancen auf und interessante Entwicklungsmöglichkeiten werden an einen herangetragen. Wichtig ist es auch, sich für sein Thema zu begeistern. Das geht nur, weil mich unsere Produkte nach wie vor faszinieren und mich meine Tätigkeit erfüllt.“