Handtmann Standpunkt zum Interkommunalen Industriegebiet Rißtal (IGI Rißtal)

Interkommunales Industriegebiet Rißtal (IGI Rißtal):

Informationen zum Standpunkt der Handtmann Unternehmensgruppe

Luftaufnahme - Handtmann Biberach

Handtmann Biberach - Arthur Handtmann Strasse

Nördlich von Herrlishöfen bei Biberach plant der Zweckverband IGI Rißtal, dem die Gemeinden Biberach, Warthausen, Schemmerhofen und Maselheim angehören, mit dem Interkommunalen Industriegebiet (IGI) Rißtal einen neuen Industriestandort auszuweisen. Handtmann unterstützt dieses Vorhaben.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welchen Flächenbedarf hat die Handtmann Unternehmensgruppe?
Was genau ist geplant?

Der Bedarf beläuft sich mittelfristig auf 10 bis 15 Hektar. Es geht vor allem um die Ansiedlung von Bürogebäuden und Produktionsflächen für die mechanische Bearbeitung und Montage, aller Voraussicht nach im Geschäftsbereich Leichtmetallguss/Systemtechnik. Der aktuelle Planungsstand sieht vorerst keine Leichtmetallgießerei an diesem Standort vor. Dabei sollen entlang der L267 vor allem Bürogebäude errichtet werden.

Idealerweise befindet sich der neue Unternehmensstandort in einem Industriegebiet, das für die Zukunft auch ausreichend Raum für zusätzliche Produktionshallen bietet. Leerstehende, verstreut angesiedelte Hallen oder ungenutzte Flächen in bereits existierenden Industriegebieten sind für diese langfristig ausgerichtete Ansiedlung nicht geeignet, weil aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen eine zusammenhängende Fläche benötigt wird. Das Unternehmen hofft auf flexible Erweiterungsflächen im geplanten IGI Rißtal und hat seinen Bedarf gegenüber der Stadt Biberach artikuliert. 

Wie steht die Handtmann Unternehmensgruppe zum IGI Rißtal?

Die Handtmann Unternehmensgruppe hat in Biberach 2.500 Beschäftigte. Hierunter sind auch rund 100 Auszubildende, also wichtige zukünftige Fachkräfte für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Aufgrund der Verbundenheit zur Region und zur Sicherung der hier angesiedelten Arbeitsplätze bevorzugt die Handtmann Unternehmensgruppe eine Fläche in der Nähe von Biberach. Die beteiligten Gemeinden haben im Vorfeld mehrere Standorte für ein neues interkommunales Industriegebiet geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nur der Standort bei Herrlishöfen zur Ausweisung geeignet ist. Hierfür wurden u.a. die Möglichkeit, eine Bahnhaltestelle zu errichten, und die verkehrsgünstige Lage an der B30 angeführt. Da das Gebiet in der Nähe des Hauptstandortes der Unternehmensgruppe liegt, könnte das Unternehmen die bestehende Infrastruktur mitnutzen. 

Warum benötigt das Unternehmen Erweiterungsflächen?

Handtmann benötigt Produktionsstätten um neue Aufträge bearbeiten zu können. Bedarf besteht in erster Linie im Bereich Systemtechnik. Die hier gefertigten Teile sind komplex und bestehen aus bis zu 30 Komponenten. Die eingesetzten Produktionsmaschinen sind vier- bis fünfmal so groß wie früher. Dadurch steigt der Platzbedarf enorm. Dieser kann nur durch zusätzliche Flächen gedeckt werden.

Generell haben die Geschäftsbereiche Leichtmetallguss und Systemtechnik eine große Bedeutung für Handtmann. Sie tragen zwei Drittel zum Umsatz der Handtmann Unternehmensgruppe bei. Auch zwei Drittel der Mitarbeiter arbeiten hier.

Dabei ist die Entwicklung im Gussbereich aufgrund der aktuellen Lage im Bereich der Elektromobilität schwer vorherzusagen. Wir gehen daher langfristig von einer gleichbleibenden oder leicht rückläufigen Mitarbeiterzahl aus. In der Systemtechnik wird Handtmann seine Umsätze in den nächsten zehn Jahren hingegen verdoppeln können. Damit geht auch ein Anstieg der Mitarbeiterzahl einher. Stehen die benötigten, zusätzlichen Produktionsflächen im Raum Biberach zur Verfügung, können neue Aufträge auch hier angesiedelt werden. Das gibt Handtmann die Chance, Mitarbeiter aus dem Gussbereich wenn notwendig in der Systemtechnik weiter zu beschäftigen. 

Warum kann die Handtmann Unternehmensgruppe für neue Aufträge in der Systemtechnik nicht am Standort in der Arthur-Handtmann-Straße bauen oder vorhandene Werkshallen nutzen – Stichwort Verdichtung?

Wir haben im Vorfeld bereits Konzepte zur Verdichtung in der Arthur-Handtmann-Straße entwickelt und umgesetzt. Damit sind wir jetzt an eine Grenze gestoßen, an der weitere bauliche Maßnahmen nicht mehr wirtschaftlich sind. Eine Erweiterung ist daher unumgänglich.

Warum müssen die Erweiterungsflächen bereits zur Verfügung stehen, obwohl es noch keinen konkreten Auftrag gibt?

Als Wirtschaftsunternehmen müssen sich die Unternehmen der Gruppe flexibel an die Entwicklungen der Märkte anpassen und auf die Erwartungen der Kunden reagieren können. Genehmigungsverfahren sind jedoch langwierig. Um neue Aufträge gewinnen zu können, müssen entsprechende Produktionsflächen und -kapazitäten bei Auftragserteilung nachgewiesen werden. Ist dies nicht der Fall, gehen die Aufträge an Mitbewerber oder müssen an anderen Unternehmensstandorten bearbeitet werden. Sonst steht das Unternehmen vor der Herausforderung, dass für auslaufende Aufträge in Biberach keine Nachfolgeaufträge für Teile der Belegschaft gewonnen werden können.

Was macht die Handtmann Unternehmensgruppe, wenn sie in der Region um Biberach keinen neuen Standort findet?

Bereits heute müssen erste Neuaufträge an anderen europäischen Standorten bearbeitet werden, weil in Biberach keine Erweiterungsmöglichkeiten gegeben sind. Beispielsweise wird ab Herbst 2018 eine Halle für Leichtmetallguss und Systemtechnik in Annaberg Buchholz (Sachsen) errichtet. Weitere Flächen im Unternehmensbesitz sind sowohl dort als auch in Košice (Slowakei) vorhanden und bereits als Industriestandorte ausgewiesen.

Die Handtmann Unternehmensgruppe ist der Region verbunden und würde es bevorzugen, zukünftige Aufträge in der Systemtechnik auch im Raum Biberach ansiedeln zu können. Für eine Ansiedlung in der Nähe des Stammwerks spricht zudem, dass benötigtes Know-how hier einfacher weiterentwickelt werden kann, weil bereits Experten in Biberach zur Verfügung stehen.

Ist mit der Flächenerweiterung der Aufbau oder die Sicherung von Arbeitsplätzen verbunden?

In erster Linie geht es um die Sicherung bestehender Arbeitsplätze. Das Unternehmen muss heute neue Aufträge gewinnen, um die Belegschaft in den bestehenden Werken langfristig weiter zu beschäftigen. Ansonsten wird ein schleichender, anhaltender Abbau von Arbeitsplätzen stattfinden – auch in Biberach, wo das Unternehmen aktuell rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Dabei wird ein neuer Auftrag zuerst von der bestehenden Belegschaft bearbeitet. Gegebenenfalls findet eine Anpassung der Personalplanung nach oben oder unten statt. Wie hoch diese Anpassung im Einzelfall ausfällt, hängt von der Anzahl und dem Volumen neuer Aufträge im Vergleich zu auslaufenden Aufträge ab.

Welche Auswirkungen hätte der neue Unternehmensstandort im IGI Rißtal auf die Verkehrsentwicklung in Herrlishöfen?

Von den Arbeitskräften am Standort im IGI Rißtal würde nur rund die Hälfte der mittelfristig geplanten 200 bis 300 Mitarbeiter durch Herrlishöfen fahren, weil die andere Hälfte das Industriegebiet aus nördlicher Richtung erreicht. Dabei ist zudem zu berücksichtigen, dass die Schichten gegenläufig zu den bisherigen Verkehrsspitzen beginnen beziehungsweise enden. Auch setzt sich Handtmann hier für die Einrichtung von Haltestellen für öffentliche Verkehrsmittel ein, die den Pendlerverkehr weiter reduzieren würden.

Die An- und Auslieferung würden zu hundert Prozent über die Anschlussstelle an der B30 erfolgen, bis ein Bahnanschluss zur Verfügung stehen würde. Wir gehen davon aus, dass auch der Zwischenwerksverkehr mit dem Stammwerk in der Arthur-Handtmann-Straße weitgehend über die B30 abgewickelt werden würde.

Gibt es an den bisherigen Standorten der Handtmann Unternehmensgruppe in Biberach bereits Bahnhaltestellen, die zur An- und Ablieferung oder für den Personenverkehr genutzt werden?

Der Standort Arthur-Handtmann-Straße ist an die Bahnhaltestelle „Biberach Süd“ angebunden. Diese wird auch von unseren Mitarbeitern genutzt. Eine An- und Ablieferung im Güterverkehr findet dort nicht statt, weil keine Flächen für einen Güterbahnhof oder ein zusätzliches Gleis zur Verfügung stehen.        

Würde ein Unternehmensstandort von Handtmann im IGI Rißtal Lärmbelastungen oder Beeinträchtigungen der Luftqualität für die Bevölkerung mit sich bringen?

An einem Unternehmensstandort von Handtmann im IGI Rißtal würde aller Voraussicht nach primär die Systemtechnik mit den Produktionsbereichen Mechanische Bearbeitung und Montage angesiedelt. Wie aktuelle Lärmmessungen an den bestehenden Standorten der Handtmann Unternehmensgruppe belegen, werden dort die gesetzlichen Grenzwerte vor den Hallen und auf dem weiteren Werksgelände eingehalten.

Emissionen gibt es in der Mechanischen Bearbeitung und Montage nicht. Auch die Ansiedlung einer Leichtmetallgießerei auf dem Gelände des IGI Rißtal würde aufgrund leistungsfähiger Filteranlagen keine Emissionen mit sich bringen. Eine solche Anlage ist hier jedoch aktuell nicht vorgesehen.

Welche Rolle spielt die Handtmann Unternehmensgruppe bei der Genehmigung des IGI Rißtal?

Das Unternehmen hat seinen Bedarf für Erweiterungsflächen gegenüber der Stadt Biberach artikuliert und dem Regierungspräsidium Tübingen erläutert. Auf das weitere, gesetzlich geregelte Genehmigungsverfahren, welches auch Umweltgutachten und Maßnahmen der Bürgerbeteiligung vorsieht, hat das Unternehmen keinerlei Einfluss. Die Handtmann Unternehmensgruppe wird das Ergebnis dieses Prozesses akzeptieren – wie auch immer es ausfällt und sich selbstverständlich an alle bestehenden Richtlinien und Vorschriften für Neubauten halten. Handtmann ist ein Familienunternehmen, das Verantwortung trägt für Mitarbeiter, die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die Umwelt. Ziel ist es, allen Ansprüchen bestmöglich gerecht zu werden und dabei für den Fortbestand des Unternehmens Sorge zu tragen.

Was ist der Rappenhof? Wann und warum hat die Handtmann Unternehmensgruppe den Rappenhof erworben?

Die Fläche des ehemaligen Rappenhofs umfasst rund 17 Hektar auf der Gemarkung der Gemeinde Warthausen. Er liegt innerhalb des Geländes, auf dem das IGI Rißtal ausgewiesen werden soll. Die Fläche wurde Handtmann vom damaligen Besitzer zum Kauf angeboten. Vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags im September 2014 kamen drei Entwicklungen zusammen: Erstens hatte die Handtmann Unternehmensgruppe ein starkes Wachstum zu verzeichnen. Zweitens stellte sich beim Gewerbegebiet am Flughafen Biberach heraus, dass keine geeigneten Flächen zur Verfügung stehen würden. Und drittens äußerte die Gemeinde Warthausen die Absicht, auf ihrer Gemarkung den Bau eines Industriegebiets prüfen zu wollen. Daraufhin erwarb Handtmann das Gelände als Investition in die Zukunft. Sollte Handtmann diese Fläche nicht wirtschaftlich für industrielle Zwecke nutzen können, hat das Unternehmen die Möglichkeit, das Grundstück zum Kaufpreis an die Gemeinde Warthausen zurückgeben.

Haben die Besitzverhältnisse des Rappenhofs den Standort für das IGI Rißtal beeinflusst?

Der Standort für das IGI Rißtal wurde durch die beteiligten Gemeinden festgelegt. Die Besitzverhältnisse des Rappenhofes haben nach unserem Kenntnisstand nicht zu den Bewertungskriterien gezählt.